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Meister – Schüler – Weg

Tiger

Ohne Zen-Meister kein Zen. Ein Zen-Meister oder auch eine Zen-Meisterin steht der Gemeinschaft immer vor. Meister verkörpern das, worum es im Zen geht.

Dabei geht es nicht darum, den Meister anzuhimmeln oder zu beweihräuchern, sondern in ihm das lebendige Vorbild zu sehen, welches in einem selbst schlummert.

Ein wirklicher Schüler wächst nicht nur durch die Worte, die der Meister spricht, sondern auch durch sein Schweigen. Ein Meister führt immer individuell. Deswegen ist es auch so wichtig, dass du dir den „richtigen“ -„deinen“ Meister suchst und findest. Im Zen heißt es: „Ist der Schüler bereit, zeigt sich der Meister“ oder zumindest ein guter Zen-Lehrer. Die Meister-Schüler-Beziehung ist höchst lebendig. Es gibt ein Auf und Ab. Ein ernsthafter geistiger Weg ist kein Zuckerschlecken und auch kein Wunschkonzert. Der Meister wird dir nicht Worte sagen, um dich zu bauchpinseln, manches von ihm Gesprochene ist wie ein Schwerthieb, aber auch vieles und vielleicht das Allermeiste wird dein Herz berühren. Schüler werden ist ganz leicht, Schülersein eine ständige Herausforderung.

Vergiss am besten alles, was du dir unter einem Meister vorstellst. Du liegst mit Sicherheit falsch! Wenn ein Meister deinen Vorstellungen entspricht, ist es mit Sicherheit kein echter Meister.

Zen-Meister kann man nicht mit dem äußeren Auge erkennen, sie tragen auch nicht ständig eine Kutte oder einen Heiligenschein – sie sehen aus wie – ja wie ganz normale Menschen. Als ich zum Zen kam, wusste ich noch nicht, was Zen wirklich ist und auch nicht, was ein wirklicher Zen-Meister ist. In der Begegnung mit meinem Meister dämmerte es mir allmählich und ehrlich gesagt, die Dämmerung nimmt kein Ende …

Ich selber bin kein Zen-Meister, sondern von meinem Meister Zensho W. Kopp autorisierter Zen-Lehrer. Was ein bisschen auch ein Witz ist, denn im Zen gibt es nichts zu lehren … Macht es da überhaupt Sinn, sich einem Zen-Meister oder Zen-Lehrer anzuvertrauen?

Der spirituelle Weg ist dein Leben! Man kann ihn total unbewusst gehen, auf ihm wie ein Betrunkener hin und her taumeln oder wie ein Blinder gegen Wände laufen. Oder eben genau umgekehrt, wach, bewusst, achtsam, ja fröhlich und mit großer Zuversicht. Klar wirst du mal hinfallen und dir wehtun, wichtig ist, wieder aufzustehen und weiterzugehen. Sich nicht unterkriegen lassen, nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern auch in schwierigen Lebenssituationen klar bleiben und dann das Richtige tun und manchmal ist das Richtige eben auch, nichts tun. Ein Zen-Meister wird genau dabei helfen und als Zen-Schüler wirst du entsprechend deiner geistigen Verwirklichung, so gut es eben geht, versuchen, die Belehrungen des Meisters umzusetzen. So ist der Meister, die Schüler und der Weg eine absolute Einheit. Der Meister führt dich zurück zu deinem wahren Wesen, deiner ursprünglichen Vollkommenheit.